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Volker Pispers

Es ist schon sehr lange her. Ein Auftritt von Volker Pispers. Ein toller Kabarettist!

Ich habe nach dem Text gesucht und ihn bei wurch.de gefunden. Den muss ich mir hier einfach notieren, der ist echt klasse. *g*

Volker Pispers in Mitternachtsspitzen:

"Wachstumsprognosen. Ein kluger Schweizer hat in den 70er Jahren schonmal ausgerechnet, was passiert wäre, wenn die damaligen Wachstumsprognosen der Swissair Wirklichkeit geworden wären. Swissair kennen Sie noch? [Macht vor der Brust ein Kreuz.]
Die Swissair hatte damals Wachstumsprognosen, da hat der ausgerechnet, wenn das zutrifft, sind im Jahr 2030 alle Frauen in der Schweiz als Stewardess beschäftigt.

Wirtschaftsexperten: Was blöderes finden sie in keinem Tierpark. Menschen, die hochrechnen, wie die Welt in 30 Jahren aussieht, wenn alles so bleibt wie es jetzt ist. Wollen sie wirklich wissen, wie lang ihre Fußnägel werden, wenn sie die nie wieder schneiden?
Die rechnen aus, wie hoch der Rentenbeitragssatz im Jahr 2050 sein wird. Wissen sie, was in 20, 30 Jahren ist? Wissen sie, was in 15 Jahren ist? Denken sie mal 15 Jahre zurück. Stellen sie sich mal vor, vor 15 Jahren hätte ich ihnen gesagt, im Jahr 2004 tritt Rumänien der NATO bei. Da hätten sie die Jungs mit dem Jäckchen gerufen!

Weiß hier irgendeiner, was in 10 Jahren sein wird? Vielleicht haben wir dann eine Regierung gewählt, die den Amerikanern nicht in den Kram passt. Mit noch mehr Pech finden die hier mitten in Köln Öl, dann sehen sie aber alt aus…

Dann wird hier alles bombardiert! Ja, können sie das ausschliessen?
Das ist die beliebteste Frage von deutschen Journalisten: "Herr Minister, können sie das ausschließen?"
Da muss der Minister sagen: "Nee, nee. Auschliessen kann ich das nicht. Es ist wahrscheinlicher, dass der 1. FC Köln noch deutscher Meister wird, aber ausschließen kann ich das nicht." Und dann steht am nächsten Tag in ihrer Zeitung: "Der Minister schließt die Bombardierung von Köln nicht aus".

Wir machen uns abhängig von Statistikern, von diesen Leuten, die alles ausrechnen, alles hochrechnen. So'n Statistiker, sehen sie, der beobachtet sie zwei Stunden. Da sieht der, oh, der Mann isst einen Teller Suppe. Da rechnet der aus, wie viele Teller Suppe sie statistisch gesehen in ihrem ganzen Leben noch essen werden. Dass sie, wenn der weggegangen ist, sagen: "Bäh, Suppe ess ich nie wieder", das kriegt der doch gar nicht mit, der Statistiker! Das wäre ja alles noch nicht schlimm, nur meine Regierung hat dann schonmal die ganze Suppe bestellt, die sie hinterher auslöffeln sollen…

Und dazu dürfen sie sich dann Sätze anhören wie "Leistung muss sich wieder lohnen" oder "in diesem Volk hat sich eine verhängnisvolle Vollkasko-Mentalität breit gemacht".

Vollkasko-Mentalität! Das muss man sich von diesen Berufsschmarotzern erzählen lassen, die nach vier Jahren planlosem Arschplattsitzen im Bundestag Anspruch auf eine Altersversorgung haben, die sie mit ehrlicher Arbeit im ganzen Leben nicht verdienen können!
Und dann der allerschönste Satz: "Wir leben hier über unsere Verhältnisse" – und das will der blöde Sozialhilfeempfänger einfach nicht kapieren, dass der über seine Verhältnisse lebt. Das ist nämlich die historische Aufgabe von Franz Müntefering. Den kennen sie, das ist der Insolvenzverwalter der SPD. Franz Müntefering. Der muss dem Sozialhilfeempfänger erklären, dass der über seine Verhältnisse lebt.

Dem Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, dem brauchen sie nicht zu erklären, dass der über seine Verhältnisse lebt. Der Mann verdient 11 Millionen Euro im Jahre, brutto. Das heisst, der hat 500.000 Euro im Monat netto. Der Ackermann, der lebt nicht über seine Verhältnisse. Nee, der hat das versucht: das geht überhaupt nicht.

Der Ackermann, der lebt über unsere Verhältnisse. Und das ist der einzige Punkt, wo ich mit den Neoliberalen wirklich übereinstimme: es gibt Schmarotzer in diesem Land; es gibt Parasiten, die auf Kosten anderer leben und die wir hier mit durchfüttern. Und ich sage ihnen auch, wer das in meinen Augen ist: zum Beispiel diese Investmentbanker. Ja, anderer Leute Geld Gassi führen. Diese Fusionsexperten. 97% aller Großfusionen von deutschen Firmen sind für die beteiligten Firmen immer von Nachteil gewesen. Die Firmen haben sich hinterher immer schlechter gestanden als vorher. Die einzigen, die an den Fusionen verdienen sind die Anwälte und die Banker, die das ganze organisieren. Denn die Banker – Ha! – die werden doch nicht nach dem Erfolg der Fusion bezahlt. Die Banker, die kriegen ihre Provision nach dem Volumen der Fusion zum Zeitpunkt der Fusion! Nach Erfolg bezahlte Banker, sind sie wahnsinnig?

Wer auch nicht nach Erfolg bezahlt werden will: Unternehmensberater. Sie wissen ja, guter Rat ist teuer. Die Regierung beweist, schlechter Rat ist unbezahlbar…
Das ganze Land ist unterwandert, wir werden ja… Hier wird nur noch beraten, allein in der Stadt Düsseldorf leben 23500 Unternehmensberater, die haben die ganze Stadt unterwandert. Die leben in der Kanalisation…
Unternehmensberater, das sind diese Schnösel, die können in sekundenschnelle ganze Flipcharts mit Informationen vollschmieren, die sie jedem Micky-Maus-Heftchen entnehmen können.
Die vornehmste Beratungsfirma in Deutschland ist die Firma Mc Kinsey. Schonmal gehört, Mc Kinsey? Mc Kinsey, die verdienen so viel Geld, die können ihre Zwangsjacken unter Maßanzügen verstecken.
Mc Kinsey hat eine Marktforschungsanalyse betrieben im letzten Jahr. Die haben versucht herauszufinden, warum Lidl und Aldi so erfolgreich sind.
Ja, die stellen sich auch echten Herausforderungen…
[Blickt ins Publikum] Ja, man hätte auch sie fragen können, ich weiß, aber das wäre ja jetzt nicht wissenschaftlich gewesen!
Also, da machen die eine Marktforschungsanalyse, ernsthaft. Die haben Tabellen erstellt, die haben Interviews geführt, Fragebögen ausgewertet, Exeltabellen, alles! ... Und sie haben es herausgefunden, sie werden es gar nicht glauben:

[Blickt verschwörerisch in die Kamera]
Es liegt am Preis!

8.11.06 11:44
 


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